Woher kommt der Name „Kischel“?

Die Frage aller Fragen… naja, fast.
Kischel - wie Kusche., nur mit i.

Die meisten von uns stellen sich sicher irgendwann einmal die Frage: „Woher kommt eigentlich mein Nachname? Was bedeutet er überhaupt?
 
Prinzipiell gibt es hier mehrere Ansätze:
 
Beruf/Tätigkeit: 
Manchmal ist es freilich sehr offensichtlich. Oftmals denkt man bei Namen wie Becker, Müller, Glaser/GläserFischer, GärtnerSchneider oder Schuster gleich an den dazu passenden Beruf (selbst, wenn er wie bei Becker falsch geschrieben ist…). Hierzu passen auch längst in Vergessenheit geratene Berufe, dazu zählen z.B. der Blocher (derjenige, der früher die Holzfußböden geblocht, also mit Bohnerwachs eingerieben hat) oder der Köhler (jemand, der Holz zu Holzkohle verarbeitete). Auch der Name Krüger/Kröger deutet darauf, dass einer der Vorfahren mit großer Wahrscheinlichkeit Wirt war (oder zumindest oft bei einem selbigen zu finden war) oder mit Töpferwaren zu tun hatte.
 
Herkunft:
Eine andere sehr häufige Namensherkunft rührt aus der (lokalen) Herkunft. Zwar kenne ich niemanden, der Stuttgarter heißt, aber ich musste z.B. schmunzeln, als ich auf der Autobahn an der Abfahrt Heidingsfeld vorbei gefahren bin und an meinen Bekannten denken musste, der mit Nachnamen Heidingsfelder heißt. Aber auch z.B. Schönfelder kommt eindeutig von einer Ortschaft.
 
Manchmal kämen auch beide Ursprünge infrage. Beispielsweise der Name Berger deutet entweder auf jemanden, der mal in den Bergen gewohnt hat oder jemanden, der mal Bergmann gewesen ist.
 
Eigenschaften:
Bei Namen wie Weiß, Groß, Klein, Kühn, etc. (und Kombinationen wie Großmann) kann man auch noch recht einfach die Herkunft verstehen. Manchmal sind es ältere Worte wie Koll (Gaunersprache „hungrig„, Kollmann hieße demnach also „der hungrige Mann“ …).
 
Gegenstände, Pflanzen oder Tiere:
Manchmal kommen Nachnamen auch von Gegenständen bzw. Tieren. Der weit verbreitete Name Vogel wäre so einer (und auch mit verschiedenen Schreibweisen der im Südlichen verbreitete Name Schraivogel). Auch Nachnamen wie Hundt oder Rose ließen sich hier recht einfach erklären.

Das war wohl nix, und nu?
Okay, da wohl niemand als „Kischel“ arbeitet oder die Eigenschaft „kischel“ mitbringt (die Steigerung wäre interessant… kischel, kischeler, am kischelsten!? öhm, … nein, lieber nicht!), bei mir zu Hause kein „Kischel“ im Regal steht und es auch kein „Kischelhausen“ auf der Landkarte gibt, ist die Frage, um die es hier geht, noch immer offen:
 

Woher kommt denn jetzt Name Kischel?!

Schauen wir mal in die Bibel…
Man könnte nun vermuten, der Name wäre vom biblischen Namen Kisch (das war der Vater von König David) mit dem Zusatz „el“ (Sohn von) abgeleitet. Wenn gleich das eine schöne Erklärung wäre (quasi „Bruder von König David„), passt dazu die doch recht eingeschränkte, regionale Verbreitung nicht, und man hätte in dem Fall – man bedenke, dass König David schon vor „etwas längerer Zeit“ gelebt hat – sicher auch in historischen Aufzeichnungen von Personen mit diesem Namen gelesen. Das ist aber leider nicht so. Also halte ich die Wahrscheinlichkeit dieser Erklärung für eher gering.
 
Wie das Leben manchmal so spielt, konnte zufällig eine Mitarbeiterin des toom-Baumarkts in Neumünster mir hier den entscheidenden Hinweis geben – an dieser Stelle dafür noch mal ein herzliches Dankeschön!!
 
Zur genauen Erklärung muss man hier allerdings noch einen Schritt zurück gehen…

Wie spricht man „Kischel“ richtig aus?
Die meisten würden das „i“ kurz aussprechen, ähnlich wie im Wort „Tisch„. Genau genommen wird das „i“ aber lang ausgesprochen (wenn ich mich zurück erinnere, hat mein Vater das auch immer gemacht, wenn er sich am Telefon gemeldet hat).
 
Wenn man für den Namen Kischel z.B. am Telefon die Schreibweise erklärt, sagt man oft „wie Kuschel, nur mit i„, in der Aussprache müsste es aber eher heißen: „spricht sich wie Kiesel, nur mit sch„. Geschrieben wie gesprochen wäre also „Kieschel“ richtig.
Und woher kommt nun der Name „Kischel“?
Nachdem wir nun die Aussprache geklärt haben, schauen wir mal ein bisschen in die Historie zurück. Mein Opa kam ursprünglich aus Schlesien, das liegt heute im nördlichen Polen, und wenn man mal Vertreibungen im Krieg außen vor lässt, wird das bei seinen Vorfahren mit Sicherheit auch der Fall sein. Wer ein bisschen googelt, wird dazu auch nicht viel finden – lediglich die Information, dass viele „Kischels“ auch Vorfahren aus dem schlesischen oder nordpolnischen Raum haben, aber sich die Namensherkunft auch nicht näher erklären können.
 
Wenn man den phonetischen Namen „Kieschel“ in die polnische Schreibweise anpasst, wird man ihn dort typischerweise „Kisiel“ schreiben.
 
Und jetzt werden wir in der polnischen Sprache schnell fündig, denn tatsächlich kommt der Name Kischel von einem Gegenstand, den man in Polen typischerweise in fast jedem Supermarkt kaufen kann:
 

Kisiel
 
Also kurz zusammen gefasst…
Der Name „Kischel“ stammt also von einem leckeren, erfrischenden Gericht, das wir in Deutschland „Kaltschale“ nennen.
 
Die Frage, ob der betreffende Vorfahre dieses mit Vorliebe verspeist hat, er in seinem Talent dieses in einer einfach begnadeten Qualität hergestellt – oder womöglich sogar erfunden hat, bleibt wohl leider Geheimnis der polnischen Geschichte.
 
Hier übrigens der Wikipedia-Eintrag zum Thema Kaltschale…