SWR – die „Stehwelle“

Was ist eine SWR?

Gemeint ist damit nicht der Schweizer Rundfunk, sondern das Stehwellenverhältnis, vom Funkamateur auch einfacher als „Stehwelle“ bezeichnet (SWR steht für „standing wave ratio“). Das Stehwellenverhältnis beschreibt das Verhältnis von abgegebener und reflektierter Leistung. Sie sagt also aus, welcher Teil der Leistung, die aus deinem Funkgerät kommt, auch tatsächlich von der Antenne abgestrahlt wird, und welcher Teil davon wieder zurück in dein Funkgerät reflektiert wird. Je mehr Leistung reflektiert wird, desto schlechter ist die tatsächliche Sendeleistung und um so wärmer wird dein Funkgerät, da die Endstufe der Kiste die überschüssige Leistung zusätzlich zur generierten Leistung in Wärme umwandeln muss.

Wodurch wird das Stehwellenverhältnis beeinflusst?

Das Stehwellenverhältnis kann durch vieles beeinflusst werden, z.B. durch die Länge der Antenne, der HF-Gegengewichte wie Radialen, der Güte der Masseverbindung (z.B. bei Autos oder Booten), Kontaktprobleme (Kurzschlüsse, falsch oder schlecht angelötete PL-Stecker, Kabelbrüche und -quetschungen usw.), Metallgegenstände in unmittelbarer Nähe der Antenne (Maschendraht, Stromkabel, Regenfallrohre, metallfolien-beschichtete Wärmedämmung auf dem Dachboden, Dachziegel mit hohem Graphitgehalt, usw.), Ausrichtung und Position der Antenne, usw. Das Stehwellenverhältnis kann also durch unglaublich viele Faktoren beeinflusst werden.

Was ist gut, was ist schlecht

Im Optimalfall beträgt dein Stehwellenverhältnis 1 : 1, im schlechtesten Fall zeigt dein SWR-Messgerät ein Verhältnis von 1 : unendlich.
 

In der Realität brauchst du dir bei einem Stehwellenverhältnis zwischen 1:1,0 und 1:1,7 keine Sorgen zu machen.

Wie misst man das Stehwellenverhältnis?

Hierzu gibt es spezielle Stehwellen-Messgeräte (SWR-Meter), das du im Optimalfall direkt an der Antenne zwischen Kabel und Antenne anschließt. Vergiss aber nicht, es direkt noch mal am Funkgerät zu messen, um sicherzustellen, dass mit deinem Kabel alles okay ist.
 

Je nach dem, was du für ein Funkgerät hast, misst du den Stehwellenwert in der Mitte vom Frequenzband. Das ist bei einer 40-Kanal-Funke Kanal 20, bei einem 80-Kanal-Gerät Kanal 1. Je weiter du kanalmäßig davon abweichst, desto schlechter wird das Stehwellenverhältnis – das ist völlig normal (Stichwort: Parabel). Kanal 40 ist die höchste Frequenz, Kanal 41 die niedrigste.

 

Es wird unmöglich sein, auf allen Kanälen ein Stehwellenverhältnis von 1 : 1 zu haben, aber – siehe oben – das ist auch gar nicht notwendig.

Meine Stehwelle ist schlecht – und nu?

Hier gilt: Messen, experimentieren und viel Geduld mitbringen. Angenommen, du hast ein 80-Kanal-Funkgerät, dann kannst du so rechnen:
 

  • Kanal 40 ist gut, Kanal 41 ist schlecht
    Deine Antenne ist etwas zu kurz.
     
  • Kanal 41 ist gut, Kanal 40 ist schlecht
    Deine Antenne ist etwas zu lang.
     
  • Überall ist der Wert schlecht
    Hier kann die Fehlersuche interessant werden…

 

Bei den meisten fertig konfektionierten Antennen gibt es einen Stift, einen Eisenkern, eine Schraube oder ähnliches, an der sich das Stehwellenverhältnis angleichen lässt. Bei Eigenbauten (z.b. einer Drahtantenne) muss man wohl oder übel den Draht abschneiden oder verlängern (Lüsterklemme, Löten, etc.).

 

Wenn nichts zu justieren ist, kann man bei einigen Antennen auch mit entsprechender Masse als Gegengewicht eine bessere Stehwelle erzielen (z.b. mit langem Draht, einer Autofelge, Blech, Radialen aus Klingeldraht, usw. – alles schon gesehen).
 
Hier gilt eine wichtige Grundregel: Antennensache ist Bastelsache – probiere einfach aus, was am besten funktioniert. Eine gute Masseverbindung kannst du übrigens bekommen, wenn du ein dickes, gelbgrünes Kabel zur Potentialausgleichschiene an deinem Sicherungskasten legst. Schau aber dabei, dass du dir damit nicht unnötige TVIs ins Haus holst.

Hat alles nichts geholfen – Tipps zur Fehlersuche

Wenn alles nix gebracht hat, schau mal, ob in der Nähe deiner Antenne metallische Gegenstände zu finden sind. Heiße Kandidaten sind hier z.B. Leitungen, Geländer, Drahtgitter, Maschendraht (auf Dachböden sehr oft), Metallrohre, Mauern mit Stahlbeton, Dachrinnen, Regenfallrohre, Dachziegel mit sehr hohem Graphitanteil und ähnliches. Das alles kann dein Stehwellenverhätnis entscheidend verschlechtern. Unter Umständen musst du dir eine andere Stelle suchen, an der du die Antenne montierst.
 

Weiterer Tipp: Prüfe deine Antennenleitungen. Vielleicht gibt es hier einen Wackelkontakt, einen Kabelbruch, das Kabel ist gequetscht oder anderweitig beschädigt, einen Kurzschluss oder ähnliche elektrische Beschädigungen. Das kannst du am besten mit einem einfachen Multimeter mit Ohm-Messer ausmessen, ein billiges aus dem Baumarkt langt hier völlig aus.

Kabel scheint heile zu sein. Und nun?

Wenn nun keine Chance auf ein akzeptables Stehwellenverhätnis besteht, gibt es im Prinzip nur drei Möglichkeiten:
 

  • Stell die Antenne woanders auf (ja ich weiß: ärgerlich, aber manchmal nicht anders oder nur mit exorbitanten Kosten machbar)
     
  • Besorge dir eine andere Antenne (oder leih dir erstmal eine von einem Funkkollegen aus, wenn er vielleicht noch eine „irgendwo herum liegen“ hat)
     
  • Besorge dir eine sogenannte Matchbox

Matchbox? Spielzeugautos oder wie?

Eine Matchbox ist ein zusätzliches Gerät in deiner Antennenleitung, das dein Stehwellenverhätnis auf Seiten deines Funkgerätes verbessern kann. Das dient primär dazu, dein Funkgerät vor Schäden durch Überhitzung zu schützen.
 
Der Nachteil ist allerdings, dass sich sende- und empfangsseitig am Signal nichts ändert und Leistung verloren geht. Das schlechte Stehwellenverhältnis an der Antenne bleibt auch bei einer Matchbox bestehen.

Fazit

Man muss oftmals viel probieren (leidvolle Erfahrungen), bis man eine Antenne optimal eingestellt und abgestimmt hat.
 
Ich empfehle, möglichst auf eine Matchbox zu verzichten und diese nur einzusetzen wenn nichts anderes mehr fruchtet – die Dinger kosten Geld und verbessern nicht die Leistung!

 

Meistens bekommt man für den Preis einer Matchbox schon eine bessere Antenne, die nicht nur das Gerät schont, sondern auch bessere Sende- und Empfangseigenschaften mitbringt.
 
Empfehlen kann ich hier entweder eine „Halbwelle“ oder eine 5/8 Antenne wie eine Palm Blizzard, wenn dein Vermieter den Spaß mitmacht und du genügend Platz dafür hast (man bedenke: Wellenlänge ca. 11 Meter, eine Halbwelle ist die Hälfte davon lang, etc…).